Wien, im Oktober 2025
Am 10. Oktober 2025 ist Welteitag!
Freuen Sie sich auch schon jede Woche auf Ihre sonntäglichen Frühstückseier im Kreise Ihrer Familie? Haben Sie sich auch schon so an die mittelgroßen wachsweich gekochten Eier Ihrer gewünschten Haltungsform gewöhnt, dass Sie keinesfalls mehr darauf verzichten wollen? Gehen Sie auch davon aus, dass Ihnen die gewünschten Eier selbstverständlich jederzeit in gewohnter Art und Weise zur Verfügung stehen?
„Ja.“ werden Sie sagen, „Natürlich. Da mache ich mir wirklich keine Gedanken darüber.“
Wir sagen Ihnen dazu: „Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie man glaubt.“
Warum, das werden wir – passend zum Welteitag – hinterfragen!
Das Wichtigste vorab: keiner wird vor leeren Eierregalen stehen!
Doch es kann durchaus einmal passieren, dass nicht jedes Ei in jeder Haltungsform und in jeder Gewichtsklasse zu jeder Zeit verfügbar ist.
Unsere Heldinnen…
…in Österreich
Über 7,4 Millionen registrierte Legehennen sorgen in Österreich täglich für Eiernachschub und haben 2024 etwa 144.200 Tonnen Eier erzeugt. Ca. 56 % der fleißigen Eierlegerinnen leben in Bodenhaltung, knapp 31 % in Freilandhaltung und über 13 % sind Biolegehennen. Dazu kommen noch viele nicht gemeldete Hennen in mobilen Stallungen oder Hinterhöfen, die hier noch gar nicht mitgezählt sind.
…in der EU
Um andere Größenordnungen und Anteile geht es da schon in der EU: hier waren 2024 über 350 Millionen Legehennen gemeldet, die ca. 6,7 Millionen Tonnen Eier pro Jahr erzeugen. Davon leben über 39 % in Bodenhaltung, immer noch etwa 38 % in ausgestalteten Käfigen (die gibt es in Österreich gar nicht mehr!), knapp 16 % in Freilandhaltung und knapp 7 % davon sind Biohennen.
…auf der ganzen Welt
Weltweit wurden 2022 knapp 87 Millionen Tonnen Eier erzeugt, aber es werden allerdings noch etwa 95 % der Legehennen in konventionellen Käfigen gehalten. Die meisten Eier, etwa ein Drittel, wurden in China gelegt, gefolgt von Indien und den USA. Die EU 27 brachte es 2022 auf etwa 7,3%.
Warum gibt es immer weniger Legehennen?
Mehr Tierwohl = weniger Tiere auf derselben Fläche
Die europäischen Legehennenbetriebe wechseln zunehmend zu alternativen Haltungssystemen, um dem steigenden Bewusstsein der Verbraucher für Tierwohl Rechnung zu tragen und um die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. Mit dieser Umstellung haben die Hennen mehr Platz zur Verfügung. Da der Platz aber begrenzt ist, können auf derselben Fläche dann klarerweise weniger Hennen für die Erzeugung der Eier gehalten werden als vorher.
Ständige Bedrohung: Aviäre Influenza (AI)
Von Herbst 2021 bis zum Frühjahr 2023 übertrafen die Ausbrüche der Aviären Influenza (landläufig bekannt als Vogelgrippe oder Geflügelpest) sogar die der Jahre 2016 und 2017. Nachweise erfolgten den gesamten Sommer 2022 hindurch, somit ist diese virale Bedrohung statt saisonal nun permanent geworden.
Ab Januar 2025 hat es die USA (aufgrund fehlender Sicherheitsvorkehrungen) erwischt, die Anfragen an einzelne europäische Länder – darunter auch an Österreich- sind sicher noch einigen im Gedächtnis geblieben.
Im April 2025 war Polen besonders betroffen: sechs Millionen Legehennen wurden aufgrund der Virusinfektion gekeult. (Zum Vergleich: in Österreich halten wir 7,4 Millionen Legehennen.) Auch Österreich blieb nicht verschont, auch wenn bei uns eine vergleichsweise geringe Anzahl an Legehennen betroffen war.
In Spanien kam es im Herbst 2025 zu einem Ausbruch, bei dem fast 900.000 Legehennen betroffen waren.
In den letzten Jahren haben die AI und die Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Verbreitung weltweit zu drastischen Bestandsreduzierungen geführt.
Diese Legehennen fehlten plötzlich und unerwartet für die Erzeugung von Eiern. Die Schwierigkeit besteht nun darin, diese Bestände wieder aufzubauen, da die Junghennen ja nicht plötzlich aus dem Hut gezaubert werden können und die Vorlaufzeit für die Bestellungen mindestens ein halbes Jahr beträgt. Zudem herrscht weltweit bereits ein Mangel an Bruteiern.
Umweltschutzmaßnahmen
Ein Beispiel für Bestandsreduktion aus Europa: In den Niederlanden werden Maßnahmen getroffen, um die Bestände von Legehennen zu regulieren. Damit soll die Stickstofflast verringert werden. Das führte bereits zu einem Verlust von mind. 3-4 Millionen Legehennen, die für die Eiererzeugung fehlen, das wären über 10 Prozent.
Der Bedarf an Eiern steigt!
Selbstversorgungsgrad und pro Kopf Verbrauch
Das Ei erfreut sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit. In Österreich wurden im Jahr 2023 248 Eier verspeist, das ist der höchste Wert seit 1995. In Ländern wie Mexiko und Japan werden bereits sogar mehr als 300 Eier pro Jahr gegessen, in Teilen Afrikas hingegen weniger als 50.
Das Ei ist eine tolle Eiweißquelle für den Menschen und zudem noch von Natur aus praktisch portioniert. Auch sind Eier günstigere Proteinquellen als andere Nahrungsmittel.
Die Nachfrage übersteigt das aktuelle Angebot
Mit einem Selbstversorgungsgrad von 87 Prozent ist Österreich gut aufgestellt. In Deutschland lag der Selbstversorgungsgrad 2024 bei etwa 72 Prozent, in der Schweiz lediglich bei knapp über 62 %. Marktexperten gehen von einer Steigerung der weltweiten Eierproduktion um etwa 22 Prozent aus, allerdings wird diese in den Schwellenländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas stattfinden.
Wie man die Produktion langfristig ausrichten soll, ist schwer zu prognostizieren, da man das Verbraucherverhalten nicht einschätzen kann. So hat sich beispielsweise die Tendenz während der Coronazeit zu Bioeiern verschoben und zu Beginn der Ukrainekrise und mit sinkender Kaufkraft sind wieder mehr Bodenhaltungseier nachgefragt worden.
Marktexperten prognostizieren eine echte Entspannung erst nach Ostern 2026, sofern die globale Lage nicht von weiteren einschneidenden Ereignissen, wie z.B. Aviärer Influenza, erschüttert wird.
Günther Wenninger, Obmann der österreichischen Frischeiererzeuger:
„Für viele Käufer werden Tierschutz, Nachhaltigkeit und Gesundheit zunehmend wichtiger. Die Landwirte versuchen möglichst zeitnah, den Wünschen der Verbraucher nachzukommen.
Dementsprechend muss in die Legehennenhaltung investiert werden. Da sämtliche Kosten in den letzten Jahren nicht nur für die Konsumenten, sondern auch für die Erzeuger, merklich angestiegen sind, müssen auch die Eierpreise, zumindest in Inflationshöhe, angepasst werden.
Man muss auch etwas über den Tellerrand hinausschauen, sodass es auch in Zukunft ausreichend Anreize gibt, in die Legehennenhaltung zu investieren. Auch bestehende Betriebe müssen zukunftsfit sein bzw. werden, damit auch die Hofnachfolge gesichert ist.
Arbeitskräfte dürfen nicht abwandern, sondern sollen für landwirtschaftliche Betriebstätigkeiten motiviert bleiben, sonst müssen wir Nahrungsmittel importieren und in Kauf nehmen, dass diese nicht unter so hohen Tierschutz- und Umweltstandards erzeugt werden, wie in Österreich!“
„Vieles lernt man aber erst dann zu schätzen, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist.“
Rückfragehinweis:
Österreichische Frischeier Erzeugergemeinschaft Vertriebs-GmbH
Speisinger Straße 16/3
1130 Wien
Tel.: 01/802 14 90
Fax: 01/802 14 90 14
E-Mail: ezg@ezg-frischei.at
Datenquellen: AMA, EU, QGV, BLE (Bonn), div. Marktbeobachtungen
